TCS New York City Marathon | 4.11.2018

Der Gedanke den TCS New York City Marathon zu laufen kam mir irgendwann gegen Ende des Jahres 2017 in den Sinn und da ich manchmal ein recht spontaner Mensch bin, versuchte ich mein Glück in der Lotterie. Nachdem die Anmeldung ausgefüllt wurde hieß es bis Ende Februar 2018 zu warten. Als der Tag der Tage vor der Tür und die Auslosung anstand, fieberte man stündlich mit, ob man eine positive Nachricht aus den USA erhält. Leider erreichte mich dann per Mail die Info, dass ich kein Glück bei der Lotterie haben sollte.

Alternativ besteht die Möglichkeit, sich über einen Reiseveranstalter (z.B. InterAir Reisen) ein Marathonpaket samt Flug, Unterkuft und Startplatz zu kaufen und zu am Marathon teilzunehmen. Die Kosten hierfür betragen meist um die 3.000€. Eine weitere interessante Möglichkeit beim New York Marathon an den Start zu gehen, ist es für eine Charity-Organisation zu laufen. Da mein Bekannter Brian aus New York, mit dem ich zeitgleich für eine NGO ehrenamtlich tätig bin, auch passionierter Läufer ist, kam uns die Idee für eine Charity zu laufen. Hier fiel unsere Wahl auf die Charity Concern Worldwide.

Concern Worldwide ist Irlands größte Hilfsorganisation, welche vor 50 Jahren gegründet wurde und mittlerweile 3.900 Mitarbeiter in 26 Ländern beschäftigt. Ziel ist es, die ärmsten der Ärmsten zu unterstützen. Hierbei stehen folgende Hauptpunkte im Vordergrund:

Bildung; Notfallbehandlung; Gleichbehandlung; Gesundheit; Lebensunterhalt; Innovationen

Concern Worldwide versucht durch das Aufsetzen von nachhaltigen Programmen und Projekten z.B. gegen die Dürre und den Hunger in Afrika zu kämpfen. Gleichzeitig werden bei humanitären Katastrophen, wie dem Erdbeben in Haiti Notfallpakete zur Verfügung gestellt.

Meine Aufgabe bestand nun darin insgesamt 3000 USD für den Guten Zweck zu sammeln.  Man mag nur einmal zu überlegen, wenn dies viel mehr Läufer machen würden ,wie sehr  hier “laufend gutes getan werden” könnte?

Warum ich in New York gelaufen bin?

Ich glaube zur Stadt New York muss ich nicht viel sagen – Sie ist an sich ja schon ein sehr gern besuchtes Reiseziel. Der TCS New York City Marathon ist einer der sechs Abbott World Major Marathons und die Stimmung ist über 42km lang die beste der Welt! Zudem ist es das Highlight eines jeden Läufers in Big Apple zu laufen. Was will man mehr?!

Anreise / Unterkunft / Fortbewegung

Ich habe meinen Flug ca. vier Monate im Vorhinein gebucht. Günstige Flüge gibt es bereits ab  Frankfurt für ca. 450€ . Welchen Flughafen ihr in New York auswählt ist eigentlich egal, da alle drei Flughäfen (LaGuardia, John F. Kennedy International und Newark International) ungefähr gleich weit von Manhattan entfernt sind. Wer kein schweres Gepäck bei sich hat, kann kostengünstig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt fahren. Etwas teurere Alternativen sind Uber oder Via.

Ready for take-off

Persönlich würde ich jedem eine Unterkunft in Manhattan empfehlen. Einerseits, weil hier das komplette Marathon-Rahmenprogramm stattfindet, ihr alle wichtigen Sehenswürdigkeiten besuchen könnt und auch die Marathonmesse hier liegt. Da ihr in den Tagen vor dem Marathon super viel laufen werdet, müsst ihr euch nicht noch unnötige Zeit mit der Fortbewegung in New York verschwenden.

Hotels und AirBnbs gibt es fast wie den Sand am Meer. Hier empfehle ich jedem einfach selber sein Schnäppchen zu suchen. Ich war in Greenwich Village bei meinem Bekannten Brian (noch einmal vielen Dank fürs hosten!) untergebracht und hab mich in die familiäre Atmosphäre des Stadtteils verliebt. Es gibt unzählige Bars, Cafes und Restaurants. Ich habe irgendwo aufgeschnappt, dass wenn man in seinem Leben jeden Tag irgendwo in New York in einem anderen Restaurant frühstückt, zu Mittag und Abend isst, man nicht annähernd jede Lokalität in dieser Stadt aufsuchen wird. Crazy!

In New York City findet man sich relativ schnell zurecht. Hierzu müsst ihr einfach die Nummerierung der Straßen samt Querstraßen wissen. Wenn also jemand sagt, dass der Treffpunkt West 58th Street 7th Ave ist, dann ist dies ungefähr auf Höhe des unteren Central Parks. West Village / East Village fangen bei der jeweils 3rd Street an.

Zur Fortbewegung innerhalb New Yorks kann ich die Metro empfehlen. Hierzu holt ihr euch einfach die MTA Metro Card und bucht “Time” und dann den “Time Pass” auf die MTA Card. Eine sportlichere Alternative sind die Citi-Bikes. Hierzu ladet ihr euch einfach die Citti-Bike App herunter und schnappt euch ein Bike aus einer der zahlreichen Stations. Zu beachten ist: es sind immer nur 30 Minuten frei! Innerhalb der 30 Minuten müsst ihr euch eine Station suchen, das Bike abstellen und ggf. wieder ein neues nehmen. Somit entgeht ihr einer zusätzlichen Gebühr.

Und falls ihr nicht mehr weiter wisst: google hilft immer!

TCS NYC Marathon

Aufgrund der Zeitverschiebung und der damit verbundenen Umstellung für den Körper, empfehle ich es grundsätzlich einige Tage vor dem Marathon anzureisen. Somit habt ihr ausreichend Zeit 1-2 Shake-Out Runs zu laufen und die Marathonmesse zeitig zu besuchen.

Shake-Out Run am Hudson River. Im Hintergrund das One World Trade Center

Die Marathonmesse öffnet bereits Donnerstags ihre Pforten und ist, wie so vieles in Amerika, sehr gut organisiert. Das auf der Westseite Manhattans gelegene Convention Center ist sehr gut zu erreichen. Ich glaube ich hatte keine fünf Minuten Wartezeit um meine Startnummer zu bekommen.

Stolz wie Oskar – die Startnummer der Startnummern in der Hand!

Danach kann man sich seinen Starterbeutel und Teilnehmer Longsleeve abholen. Je nachdem ob ihr euch für “Bag Transportation” oder “After Race Poncho” entschieden habt, bekommt ihr einen jeweiligen Beutel. Hat man all seine notwendigen Startunterlagen abgeholt , geht es erst einmal zu dem riesigen und überfüllten New Balance Stand. Hier könnt ihr euch mit allerlei Merchandise zum NYC Marathon eindecken. Ich hab mir eine schöne NYC Marathon Kaffeetasse und eine Cap geholt.

Vollbepackt geht es von der Marathonmesse zurück zur Wohnung

Nations Parade

Die Nationsparade findet am Freitag vor dem Marathon im Central Park im Zielbereich des Marathons statt. Wie der Name schon verrät treffen sich hier Teilnehmer aus allen Nationen, die beim Marathon mitlaufen werden. Das tolle ist, dass man angefeuert von Tausenden Fans auf den Tribünen am Zielbereich, wie bei Olympia nacheinander durch den Zielbereich einläuft. Ich hatte sogar die Ehre und durfte als Flaggenträger die deutsche Delegation anführen. Gänsehaut! Ob als Teilnehmer, oder als Zuschauer – ein absolutes Highlight und Muss!

Gruppenselfie mit der UK Delegation
Aufreihen der einzelnen Nationen zur Nations Parade
Auch das Fernsehen hat die deutsche Delegation fleißig eingefangen

Kommen wir zum eigentlichen Highlight – dem TCS New York City Marathon

Das frühe Aufstehen beim New York Marathon hat einen aus meiner Sicht unberechtigten Ruf! Na klar, um 05:00 Uhr aufzustehen, damit ich um 09:50 einen Marathon laufen kann, ist früh – aber halt auch nicht viel früher als bei hiesigen Rennen. Schaut nur rechtzeitig, wann die Metro an der nächsten Haltestelle abfährt. Denn in NYC fahren diese zwar 24/7, jedoch zu solch frühen Uhrzeiten eher weniger stark frequentiert. So mussten Brian und ich das Taxi nehmen um zur Ferry zu kommen, die uns nach Staten Island bringt. Ab diesem Zeitpunkt zeigte sich, wie gut organisiert der komplette Marathon ist. Der Eingang zur Fähre wurde bereits gut von Polizisten und Ordnern abgesichert. Man wurde abgetastet, die Sachen mit Metaldetektoren durchleuchtet und Sprengstoffhunde waren zur Sicherheit auch vor Ort. Safety first! Die knapp 30 Minuten in der Fähre vergingen wie im Flug und wir wurden mit einem wunderschönen Sonnenaufgang und einer traumhaften Sicht auf die Skyline belohnt. Auf Staten Island warteten auch bereits unzählige Busse, welche die Läufer zum Startbereich brachten.

Race-Outfit

Im Runners Village angekommen wurden uns nach einer erneuten Sicherheitskontrolle Handwärmer und bunte Dunkin Donuts Mützen gegeben, die uns warm halten sollen. Ich hatte mir zudem alte Jacken und eine Jogginghose mitgenommen, die ich vor dem Start in bereitgestellte Container gegeben habe. Die gesammelten Kleidungsstücke werden an Obdachlose in New York und Umgebung gespendet. Auch hier gilt “Laufend Gutes tun!”  Die Startnummern sind in verschiedenen Farben ausgegeben worden und je nach Farbe der Startnummer, geht es dann in den eigenen Startbereich. In diesem Jahr war “blau” der vordere Bereich, sodass ich später direkt auf der Verrazzano-Narrows Bridge starten konnte. Es wurden Bagels, Obst, Getränke und frischer Kaffee verteilt. Für die Aufmunterung gab es sogar Therapy-Dogs, die man streicheln konnte um so die Nervosität einiger Teilnehmer zu mindern. Ein Punkt, der besonders positiv in Erinnerung bleibt, und an dem sich auch gerne hiesige Rennveranstalter ein Beispiel nehmen sollen, ist die Bereitstellung mobiler Sanitäreinrichtungen. Es gab mehr als ausreichend hiervon und es bildeten sich keine langen Schlagen.

Gegen 09:15 öffneten Sich auch die Corrals (Startblöcke) und wir konnten auf in den Startbereich. Und dieser Moment, wenn man die Brücke hinaufschaut, inmitten von mehreren Tausend Läufern steht und die Hymne der USA gespielt wird ist unbeschreiblich. Gleichzeitig flog das NYPD mit mehreren Hubschraubern über unseren Köpfen hinweg – Gänsehaut. Nach dem Startschuss durften wir Läufer, gemeinsam singend zu Frank Sinatras “New York, New York”, endlich loslaufen.

KM17 | DER Marathonmoment, als ich Kevin und Michael in Brooklyn getroffen habe

Der Marathon beginnt direkt mit einer ca. 1,5km langen Steigung ehe man in Brooklyn auf die ersten Vorboten der Stimmung trifft. Es ist Fakt, dass die Amerikaner sich einfach viel begeisterungsfähiger sind als wir Europäer. Egal ob Oma und Opa im Rollstuhl, gefühlt jeder steht am Straßenrand und feuert unermüdlich die Läufer an. Auch in Sachen Motivationsschilder besteht glaube ich ein regelrechter Contest, wer das originellste Schild hochhält. Der schönste Teil der Strecke war sicherlich die (Straßennamen raussuchen) in Brooklyn. Ein leicht ansteigender Kilometer und enge Menschenmassen. Wer die Tour de France Bilder bei Bergetappen vor Augen hat, der kann sich dies nur an einer Marathonstrecke vorstellen. Adrenalin pur!

Die erste Hälfte des Marathons endet mit einer Steigung über die Pulaski Bridge, wo es herüber nach Queens geht. Der Teil der Strecke war definitv der einfachere. Nachdem es die Queensboro Bridge zu überqueren galt, auf der wenig bis keine Zuschauer waren, hörte man schon mehrere Hundert Meter vorher die Menschenmassen in Manhattan. Auf der 1st Avenue ging es hinaus in die Bronx und herüber nach Harlem.

KM26 | 1st Avenue in Richtung Bronx

Wie einem vielleicht erahnen lässt, ist in der Wiege des Hip Hop auch viel Hip Hop am Straßenrand. Ich wäre am liebsten stehen geblieben und hätte mit angefeuert, aber da waren ja noch einige KM zu absolvieren. Zurück auf dem Weg in Richtung Ziel, genauer gesagt auf der 5th Avenue, ging es spürbar bergauf. Nicht wenige Läufer kamen hiermit nicht zurecht  und mussten in den Gehmodus wechseln. Verständlich! Die Stimmung hat mich zumindest so getragen, sodass ich hier problemlos weiterlaufen konnte. Die letzten 2km im Central Park haben mich, verglichen mit den anderen Teilen des Marathons, eher gesagt enttäuscht. Die Stimmung war mau und das Streckenprofil mit seinen welligen Kurven war auch alles andere als toll. Aber nachdem man den Columbus Circle passiert hat und nur noch 500m zu laufen waren, ging mir ein Lächeln durch das Gesicht. Ich habe verdammt noch mal den TCS New  York City Marathon gefinished!

KM40 | Central Park – das Ziel ist quasi schon im Blickfeld

Im Ziel angekommen bekommt man wohl eine der begehrtesten Marahonmedaillen um den Hals gehangen und ist somit offiziell “Finisher” in New York. Wenn es etwas zu bemängeln gibt am New York Marathon, dann den Kilometerlangen Fußweg, den man nach dem Zieleinlauf erledigen darf, ehe man seinen Poncho bekommt und  vom Gelände herunterkommt. Aber nachbetrachtet ist dies Jammern auf hohem Niveau.

FINISH | Fertig, aber glücklich

The Day After…..

Auch der Tag nach dem Marathon ist, im Gegensatz zu den hisiegen Tagen, speziell. Ich glaube jeder, wirklich jeder, Marathon-Finisher trägt seine Medaille wie ein stolzer Oskar um den Hals und wird auch von den New Yorkern dementsprechend gebührend gefeiert. Die Leute bleiben vor einem stehen und applaudieren sogar teilweise. Für mich ging es zur adidas Runners NYC Racebase um das spezielle Retreatment-Programm zu nutzen. Einerseits war es eine Mobility-Session, die mir mal wieder zeigte, woran ich in den kommenden Monaten zu arbeiten habe und eine Behandlung mit kaltem Wasserstoff, das die müden Muskeln entstpannen lies.

Ein wirklich toller Vorteil an New York ist, dass man wirklich super schnell seine Kolenhydratspeicher wieder auffüllen kann. Sei es mit leckeren Hot Dogs, Burgern und Pommes als auch Coldstone Creamery Eis. Ein wenig “Sünde” darf sein.

Eine der bisher schönsten Medaillen in meiner Sammlung!
Show the Medal! Bester Buddy aus New York Mario

Letztlich bleibt mir nur ein riesengroßes DANKE an all meine Unterstützer auszusprechen, die mich auf dem Weg bis zur Startlinie des New York Marathons begleitet haben. Sei es mit Spenden für die Charity-Aktion oder aufmunternden Worten…

“Thank you for running with us!”

 

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